21.03.2010
Deutsche Meisterschaften der Männer im Ringen (griechisch-römisch) in Kirrlach
Viel Licht, aber auch Schatten für Frankfurt's Ringer
2 Gold, 2 Silber und 3 Bronzemedaillen - Sieg in der Länder- und Vereinswertung

'Fliege hoch, du roter Adler...', eine Szene, die für Gänsehaut sorgte, die gesamte Mannschaft des Leistungszentrums Frankfurt(Oder) belagerte das Siegerpodium und die brandenburgische Hymne erschallte in der Rheintalhalle Kirrlach/Nordbaden aus viele Kehlen. Brandenburg gewann mit 84 Punkten die Länderwertung vor dem Saarland (49) und Württemberg (48), der RSV Hansa 90 Frankfurt(O.) siegte in der Vereinswertung mit 72 Zählern, der Zweitlatzierte KSV Köllerbach kam auf 28 Punkte, der VfK Schifferstadt auf 23. Beeindruckend ! Dennoch ging Frankfurt's Stützpunkttrainer Jörn Levermann mit ernster Miene einher. „Wir hatten 8 Ringer in den Halbfinals, drei haben es in die Endkämpfe ihrer Gewichtsklassen geschafft“, war das dem erfahrenen Coach dann doch zu wenig. Klar, drei Finalisten – andere Landesverbände hätte das zu Jubelstürmen hingerissen. Nicht Jörn Levermann. „Ich hatte mir gewünscht, dass Fabian Jänicke (74 kg), oder Erik Weiß (60 kg) lautstark an die Türe zur DRB-Auswahl anklopfen- ja diese gar aufstoßen um den Sprung auf die internationale Bühne zu schaffen“, so Levermann, der auch von Rene Zimmermann gerne gesehen hätte, dass er den nunmehr viermaligen Deutschen Meister Jan Fischer (KSV Köllerbach) mehr als nur zum Wanken bringt, ihm die Goldmedaille stibitzt. Jänicke, aber auch Marcus Thätner (66 kg) haben Bronze gewonnen, aber eben das Finale verpasst. Nach der Finalniederlage von Marcus Thätner (66 kg) aus dem Vorjahr, stolperte der ehrgeizige Frankfurter auch 2010 über Dauerrivalen Christian Fetzer-, oder vielmehr über die eigenen Beine, denn Auslöser zur Niederlage war ein völlig unnötiger Rollversuch im Bodenkampf, wobei Thätner, der die Runde schon in der Tasche hatte-, gekontert wurde und gegen den Kontrahenten aus Herbrechtingen auf die Verliererstraße geriet. Im Kampf um Bronze ging Thätner mit Wut im Bauch auf die Matte und fegte den frischgebackenen Juniorenmeister Benedict Pauli (SV Untergriesbach) förmlich von der Matte. Noch schlimmer erwischte es Nico Schmidt (120 kg/RSV Hansa 90 Frankfurt/O.), dessen Erfolgsserie nach 8 (!) Jahren in Kirrlach riss. „Ihm hat einfach die Kraft gefehlt, er war nicht explosiv genug um sich auch den 9. Titel in Folge zu sichern“, sieht Levermann die Schwächen seines Schwergewichtlers.„Natürlich sind Medaillen bei Deutschen Meisterschaften hoch einzuschätzen, doch die Ansprüche dieser Ringer liegen einfach höher“, so Levermann. Gar nichts in den Händen hatten am Ende Ricardo Melz (120 kg) und Damian Hartmann (74 kg). Melz stand im Kampf um Bronze und gab das Edelmetall gegen den frischgebackenen Freistilmeister Stefan Kehrer (KSV Aalen 05) Sekunden vor Kampfende leichtfertig aus den Händen und wurde Fünfter. Hartmann unterlag nach seinem Auftaktsieg über Hansjörg Scherr (KSV Aalen 05) dem späteren Meister Konstantin Schneider (KSV Köllerbach). In der Hoffnungsrunde gewann Hartmann, der in der 1. Bundesliga für den 1. Luckenwalder SC kämpft, gegen Waldemar Schäfer (KSV Krefeld), musste sich wenig später jedoch hauchdünn (0:1, 1:0, 0:1) Fabian Fritz (TSV Benningen) beugen und schied auf dem 7. Rang aus dem Titelrennen aus.
Doch der Frankfurter Coach hatte auch Grund zur Freude, denn Mirko Englich (96 kg) zeigte sich nach langer Verletzungspause wieder auf einem guten Weg. Mit einer kämpferischen- aber auch technischen Spitzenleistung wurde der Olympiazweite von Peking 2008 in Kirrlach Deutscher Meister. Beispielgebend, wie Englich im Halbfinale gegen WM-Teilnehmer Oliver Hassler (RG Hausen-Zell) in Rückstand geriet, zupackte und Sekunden vor dem Pausengong mittels Kopfklammer den Rundensieg holte. Doch auch hinter Christoph Bast (60 kg) stand ein Ausrufezeichen im Notizbuch von Jörn Levermann. In der Hoffnungsrunde kam das Aus gegen Trainingspartner und Vereinskamerad Erik Weiß, Platz 8 am Ende für den jungen RSV-Ringer der sich das Lob des Trainers verdiente. Auch die sensationelle Leistung von Dennis Langner (60 kg), der im Erstligateam der KG Frankfurt(Oder)/Eisenhüttenstadt kämpft, fand den Beifall seiner Mannschaftskameraden und Freunde. Nach Silber bei den Freistilringern gewann Langner auch bei den Griechisch-Römisch-Spezialisten den Deutschen Vizemeistertitel, schrammte im Finale gegen Bengt Trageser (RWG Mömbris-Königshofen) nur knapp an Gold- und damit an einer faustdicken Sensation vorbei.
Bleibt das zweite RSV-Gold in Kirrlach, Oliver Runge schaffte die Titelverteidigung, auf die man in Frankfurt gehofft hatte-, aber die nicht erwartet werden konnte. „Oliver begann eine Ausbildung bei der Polizei, die ihn sehr in Anspruch nimmt“, ging der Beeskower nicht unbedingt gut vorbereitet in die Kämpfe. Doch mit viel Kampfgeist und einem großen Tick Cleverness bezwang Runge im Halbfinale Dustin Scherf (KFC Leipzig) und im Finalduell auch Lukas Höglmeier (TSV Gailbach). Runge, der im letzten Juniorenjahr kämpft und in dieser Altersklasse ebenso bereits Deutscher Meister 2010 wurde, kann sich nun auf die internationale Ringerbühne konzentrieren.