
26.04.2010
Nach EM-Gold holt sich Boy noch Bronze
Nach mehreren vergeblichen Anläufen hat Philipp Boy bei den Turn-Europameisterschaften im britischen Birmingham seine erste internationale Einzel-Medaille gewonnen. Der Cottbuser erkämpfte sich am Sonntag mit einer hochklassigen Reck-Übung den Bronze-Rang. Bereits am Samstag hatte der 22-Jährige zusammen mit der Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB) die Goldmedaille im Mannschaftswettbewerb geholt.
Erstmals in der 55-jährigen Geschichte von Europameisterschaften gewann die von Fabian Hambüchen geführte „Boy“-Group die Team-Entscheidung und sorgte für den ersten Mannschafts-Erfolg seit dem Olympiasieg der deutschen Riege 1936 in Berlin. Nach einer tollen Energie-Leistung mit 18 Übungen ohne Absteiger brillierten die „fantastischen Fünf“ mit hohen Schwierigkeiten und großer Sicherheit, so dass sich der Erfolg mit 266,150 Punkten vor Großbritannien (263,025) und Frankreich (260,100) früh abzeichnete.
„Ich habe meine Kumpels gebeten, doch so zu turnen, dass wir auch gewinnen, wenn ich vom Pferd falle“, meinte Boy mit einem Grinsen, der im Mannschaftsfinale als Letzter an das „Zittergerät“ Seitpferd ging, sich aber nervenstark zeigte und die Goldmedaille für die deutsche Riege endgültig absicherte. „Einen Wettkampf ohne einen Fehler habe ich noch nie erlebt. Sensationell“, plauderte der Cottbuser gelöst und bekam wenig später sein erstes EM-Gold um den Hals gehängt: „Das fühlt sich einfach wahnsinnig schön an. Ein wunderbares Gefühl, mit Gold nach Hause zu kommen.“
Auch am Königsgerät Reck konnte der Schützling von Trainer Karsten Oelsch diesmal die in ihn gesteckten Erwartungen erfüllen. Nachdem Boy bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, der EM vor einem Jahr in Mailand und bei der WM 2009 im September in London jeweils das Reck-Finale verpasst hatte, konnte er in England sogar bei seinem ersten Endkampf-Einzug gleich eine Einzel-Medaille gewinnen. Seit dem Turnier der Meister im März turnte der Sportsoldat auf hohem Niveau, konnte diese Leistung auch in Birmingham abrufen und erhielt für seine Übung mit Höchstschwierigkeiten wie „Kolman“ und „Markelov“ 15,350 Punkte. Der Sieg ging an den Griechen Vlasios Maras, der sich mit 15,400 Punkten das fünfte EM-Gold am „Königsgerät“ sicherte, vor dem Niederländer Epke Zonderland (15,375). Punktgleich mit Boy auf Platz drei landete Fabian Hambüchen (Wetzlar).
„Ich bin natürlich riesig erleichtert, dass es diesmal geklappt hat“, sagte Boy. „Die Leistung war schon immer da, diesmal bin ich auch mit einer Medaille belohnt worden. Ich war sehr gut vorbereitet und habe es diesmal verdient.“ Bei etwas mehr Wohlwollen der Kampfrichter wäre sogar mehr als Bronze für den Cottbuser möglich gewesen. „Aber ich muss mir erst einen Namen international machen“, räumte Boy ein, der am Montag zunächst zur Bundeswehr nach Stuttgart reist, ehe er Dienstag nach Cottbus zurückkehrt.
Bei den Junioren belegte Christopher Jursch vom SC Cottbus im Finale am Pauschenpferd Platz acht. Im Mehrkampf-Finale erreichte der 17-Jährige mit 80,400 Punkten Platz zwölf. Der Schützling von Trainer Horst Werner zeigte einen guten Wettkampf. Den Sieg holte der Brite Sam Oldham (84,575)
(Lausitzer Rundschau/Thomas Juschus)


