28.05.2010
Liebach träumt von der Bestzeit
Im Vorjahr hat ihm der Heimvorteil beim Cottbuser German Meeting womöglich eine bessere Zeit gekostet. Doch für seinen Start in diesem Jahr hat sich Hannes Liebach einiges vorgenommen. Insgeheim träumt er sogar davon, am Sonntag vor den Augen seiner Familie über 3000 Meter Hindernis seine persönliche Bestzeit zu verbessern.
Es fällt schwer, dem 23-jährigen Sportler vom LC Cottbus ein paar Emotionen zu entlocken. Abgeklärt spricht Hannes Liebach über sein gesteigertes Trainingspensum von 100 Kilometern pro Woche, die deutschen Topläufer, die »noch 20 Sekunden vor mir« sind und auch über seinen etwas vermasselten Start beim Vorjahres-Meeting in Cottbus. »Damals bin ich zu langsam losgelaufen, dann zwischenzeitlich losgestürmt und am Ende wieder eingebrochen.« Ein Fehler, der ihm nicht wieder passieren soll, hat Liebach beschlossen.
Auf seinem Balkon im Berliner Stadtteil Neukölln - in seiner Wahlheimat ist er neben dem täglichen Einheiten als Lauftrainer tätig - plant er für Sonntag ein taktisch klügeres Rennen: »Ich will eine bessere Zeit, schließlich habe ich in diesem Stadion mein halbes Leben verbracht.« Hoppla, da sind also doch mehr als nur Trainingskilometer und Rundenzeiten im Spiel, wenn Liebach am Sonntag gegen 17.40 Uhr in der letzten Disziplin des Tages an den Start gehen wird. Der Dritte der Deutschen Meisterschaft des Vorjahres gibt zu »Es ist wirklich etwas Besonderes, in Cottbus zu starten. Schließlich sitzen viele Leute auf den Rängen, die ich kenne.« Dazu gehören neben seiner Freundin auch die Eltern und die Oma, die aus Straupitz im Spreewald nach Cottbus kommen.
Weil der Forster 400-Meter-Läufer Thomas Schneider trotz Bestform auf einen Start in Cottbus verzichtet (siehe nebenstehenden Text), ist Liebach neben Speerwerfer David Golling (die RUNDSCHAU berichtete), der einzige Lokalmatador. »Im Vorjahr war ich echt überrascht, was das bedeutet. Die Unterstützung war riesig«, erinnert sich Liebach und weiß, dass ihn die lautstarke Kulisse womöglich zu jenem taktischen Harakiri veranlasste, an dessen Ende die unbefriedigende Laufzeit von 9:03,88 Minuten stand. »Alles über neun Minuten wäre dieses Mal eine Enttäuschung«, sagt Liebach klar und liebäugelt insgeheim mit einer neuen persönlichen Bestzeit. »Das erhöhte Trainingspensum sollte sich auszahlen«, hofft er und hat die 8:56,85 Minuten fest im Blick. Diese Bestleistung hat er übrigens 2008 aufgestellt - natürlich beim Cottbuser German Meeting in jenem Stadion, dass sogar dem abgeklärtesten Hindernisläufer ein paar Emotionen entlockt.